Deutsch: Lesung Leo Thoma

Zuhören und mitmachen!

Leo Thoma entwickelt Geschichten mit den Klassen der Unterstufe

Am 25. April 2017 war der aus Augsburg stammende Autor Leo Thoma wieder an der DSB zu Gast. Auf Einladung der Fachschaft Deutsch kam der auf DaF-Lesepublikum spezialisierte Schriftsteller zu uns, um vor Schülerinnen und Schülern der Unterstufe Kurzgeschichten vorzutragen.

In drei „Staffeln“ kommen die Fünft- Sechst- und Siebtklässler in die Aula. Während der Vorlese-Phasen herrscht gespannte Stille, die immer wieder durch Lachen unterbrochen wird. Rege Beteiligung herrscht bei den „Arbeitsphasen“, in denen die Zuhörer Vorschläge machen, Fragen stellen und Ideen entwickeln. Auf diese Weise wird ein literarischer Text nicht nur gehört, sondern mitgestaltet.

Da geht es etwa um einen Berliner Detektiven, der einen Kunstraub aus dem Pergamon-Museum aufklären soll. Da es hier auf jedes Detail ankommt, braucht das Publikum nicht nur ein aufmerksames Gehör, sondern logisches Denken. Fast ungeduldig präsentieren die Kinder ihre Vermutungen, wer denn die kostbare Nofretete-Büste geraubt haben könnte.
Etwas schwieriger gestaltet sich das interaktive Zuhören bei der geheimnisvollen Geschichte „Die Stimmen“, die von einem Schuljungen handelt, der einen Mitschüler schlecht behandelt hat und nun, zu Hause allein in seinem Zimmer, Stimmen hört (oder zu hören meint). Ein Fächer von Interpretationsmöglichkeiten öffnet sich.

Der Autor unterstreicht das Vorlesen mit ausdrucksstarker Mimik, mit Gesten und mitgebrachten Skizzen. Immer wieder lädt er seine junge Zuhörerschaft ein, sich aktiv an der Weiterentwicklung der Geschichten zu beteiligen. Begeistert lassen sich unsere Fünft-, Sechst- und Siebtklässler auf den lebendigen Dialog mit dem Autor ein und tragen mitunter recht originelle Ideen zum Fortgang der Handlung bei. Leo Thoma zeigt sich von dem Lösungsvarianten der Schülerinnen und Schülern beeindruckt.

Für die Zuhörer ist es besonders reizvoll, zu einer noch unveröffentlichten Geschichte des Autors einen Titel zu finden. Es geht um ein Mädchen, das sich einen Hund wünscht, dessen Wunsch aber von ihren Eltern offenbar nicht erfüllt werden kann. Thoma entlässt seine Leser aus dieser Geschichte mit der Andeutung auf einen positiven Ausgang, sodass das Publikum darüber rätseln soll, wie das Mädchen schließlich doch zu ihrem Vierbeiner kommt.

Die Geschichten Leo Thomas erzählen von Alltagssituationen, die aber immer etwas Besonderes enthalten und entweder auf eine Pointe hinzielen oder das Ende offen lassen. Humor und Ironie kommen dabei nicht zu kurz.

Die Zeit – jeweils eine Dreiviertelstunde pro Jahrgangsstufe – wird dem Vortragenden und seiner Zuhörerschaft fast zu knapp, denn die Ideen der Kinder sprudeln. Man darf auf neue Geschichten im nächsten Jahr hoffen.

Helmut Rieger

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